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Gesundheitskongress des Westens am 08. und 09. September 2020 in Köln
Regionale Pflegekompetenzzentren: Zukunftsmodell für Pflege und gegen Klinikschließungen?

Scheinbar gar keine große Sache: Zehn Case-Managerinnen nahmen, verteilt über zwei Landkreise, die Arbeit auf und mit ihnen ging ein neues Versorgungsmodell für Pflegebedürftige in den Testbetrieb. Doch was in der niedersächsischen Provinz begann, weckt so viele Hoffnungen, dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn es sich nicht nehmen ließ, beim Startschuss dabei zu sein.

Das erste sogenannte „regionale Pflegekompetenzzentrum“ Deutschlands arbeitet seit Oktober letzten Jahres in den Landkreisen Emsland und Grafschaft Bentheim. Es ist zunächst vor allem ein Netzwerk: Die speziell dafür geschulten Case-Managerinnen kümmern sich um Pflegebedürftige und koordinieren deren kontinuierliche Versorgung mittels einer digitalen Plattform, in der sich Leistungserbringer aus der Pflege vernetzt haben. Sie beraten Betroffene, organisieren Pflegeleistungen nach einer Krankenhausentlassung, veranlassen die Einstufung in Pflegegrade oder stellen professionellen Ersatz bei Ausfall pflegender Familienangehöriger. Vor allem helfen sie oft dort, wo Pflegebedürftige  - wegen eines Wechsels von einem Sektor des Gesundheitswesens in einen anderen - plötzlich allein dastehen.

Das Modell weckt hohe Erwartungen aber vor allem auch deshalb, weil es problematischen demografischen Trends entgegen wirkt: Seit langem schon verlagert sich der Bedarf im Gesundheitswesen vom einst dominanten Akutbereich auf die Versorgung von chronisch und multimorbid Erkrankten, besonders mit wachsendem geriatrischem Anforderungen. Wer jung ist kommt wegen - zumeist minimalinvasiver - Eingriffe immer schneller aus dem Krankenhaus, während steigende Lebenserwartung immer mehr Ältere hineinbringt. Etwa die Hälfte der Patienten in Allgemeinkrankenhäusern ist heute älter als 60 Jahre, über zwölf Prozent von ihnen sind von einer Demenzerkrankung betroffen. Zugleich ziehen junge Menschen vom Land in die Stadt. Viele Krankenhäuser in ländlichen Regionen haben deshalb zunehmend Auslastungsprobleme. Wo es dann zu Krankenhausschließungen kommt, verschlechtert sich vor allem die Versorgungssituation älterer, multimorbider und pflegebedürftiger Menschen.

Das Konzept sieht deshalb auch vor, unrentable Krankenhäuser im ländlichen Raum in Pflegekompetenzzentren für ambulante und stationäre Versorgung Pflegebedürftiger umzuwandeln. Auch Ärzte, Zahnärzte, Apotheken, Therapeuten oder Selbsthilfegruppen sollen dort ihre Dienste anbieten können. Pflegekompetenzzentren könnten daher auch helfen, den notwendigen Strukturwandel im Krankenhaussektor zu unterstützen.

Der Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschuss fördert das Projekt in Niedersachsen auf vier Jahre mit dem höchstmöglichen Betrag von insgesamt zehn Millionen Euro.

Auf dem Gesundheitskongress des Westens diskutieren das Thema: Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der DAK Gesundheit, Jochen Brink, Präsident der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen, Prof. Dr. Michael Monzer, Experte der Evangelische Hochschule Freiburg für Case-Management, Thomas Nerlinger, Leiter des Pflegekompetenzzentrums Nordhorn, und – als Moderator – Uwe Borchers, Geschäftsführer des ZIG – Zentrum für Innovation in der Gesundheitswirtschaft Ostwestfalen-Lippe.

Der Gesundheitskongress des Westens ist der führende Kongress für Gesundheitspolitik und Gesundheitswirtschaft im Westen Deutschlands. Weit über 100 namhafte Referenten werden auftreten. Teilnehmer sind vor allem Klinikmanager, Ärzte, Verantwortliche aus Gesundheitspolitik und -unternehmen, aus Forschung und Wissenschaft sowie der Pflege. Die vierzehnte Auflage der jährlich ausgerichteten Veranstaltung findet als hybrides Event statt – als Präsenzveranstaltung im Kölner Kongresszentrum Gürzenich und zugleich online per Live-Streaming.

Buchen Sie Ihr Ticket hier: www.gesundheitskongress-des-westens.de/anmeldung