Pressemitteilung


Sektoren: Kommt der Big Bang im Gesundheitswesen?

Gesundheitspolitiker und Vertreter zahlreicher Institutionen haben sich auf dem Gesundheitskongress des Westens in Köln für eine Überwindung der sektoralen Aufspaltung des Gesundheitswesens ausgesprochen.

Die nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Barbara Steffens hat „die Kluft zwischen ambulantem und stationärem Sektor“ im deutschen Gesundheitswesen scharf kritisiert. Die Politikerin monierte heute Morgen, dass der Patient, „der aus dem Krankenhaus in die ambulante Versorgung überführt wird, praktisch mehr oder weniger ohne Informationen seinen Weg geht – also ohne adäquate Begleitpapiere“. 

Steffens forderte eine baldige Umsetzung elektronischer Vernetzung der Leistungserbringer vor allem auch zwischen den Sektoren. Sie stellte den Beteiligten jedoch ein schlechtes Zeugnis aus: „Davon sind wir weit entfernt. Was wir immer wieder sehen ist, dass unser Gesundheitssystem so träge ist in diesem Bereich, dass wir nach wie vor nicht die elektronische Patientenaktie, nicht die Fallakte, nicht die Kommunikation zwischen den unterschiedlichen Behandlern, selbst nicht zwischen denen in einem Sektor, haben.“

Prof. Dr. Wolfgang Greiner, Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, plädierte angesichts der Probleme mangelhafter Zusammenarbeit an der Grenze zwischen ambulantem und stationärem Sektor statt für unergiebige Reformen für einen „Big Bang“. Mit ihm solle im gesamten deutschen Gesundheitswesen ein einheitliches Vergütungssystem gelten. Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der DAK-Gesundheit, und Jochen Brink, Präsident der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen, sprachen sich hingegen für schrittweise Überwindung der Sektorentrennung aus. 

Der Gesundheitskongress des Westens trägt in diesem Jahr das Motto „Brücken bauen – Gute Versorgung über die Sektoren hinweg“. Rund 900 Kongressbesucher diskutieren heute und morgen über Gesundheitspolitik – Klinikmanager, Ärzte, Gesundheitspolitiker und –unternehmer, Vertreter aus Wissenschaft, Forschung und der Pflege.

Auch zum Thema Pflegenotstand erfuhren die Kongressteilnehmer eine wichtige Neuigkeit: Wie Oliver Schenk, Leiter der Abteilung Grundsatzfragen der Gesundheitspolitik und Telematik im Bundesgesundheitsministerium, während der Eröffnungsveranstaltung erklärte, hat sich die Expertenkommission „Pflegepersonal im Krankenhaus“ gestern über die Schaffung von Personaluntergrenzen in der Krankenhauspflege geeinigt. Die Untergrenzen würden bereits 2019 in Kraft treten.

Das inhaltliche Angebot des Kongresses an den beiden kommenden Tagen ist breit. Themen sind unter anderem: die Auswirkungen des Krankenhausstrukturgesetzes, die Qualitätskriterien des IQTIG, eine erste Bilanz des Innovationsfonds, die Finanzierung der Gesetzlichen Krankenversicherung, Trends im Krankenhausmarkt, Korruptionsbekämpfung im Gesundheitswesen, betriebliches Gesundheitsmanagement oder die medizinische Nutzung des Supercomputers Watson.
 
Der Gesundheitskongress des Westens ist der führende Kongress für Gesundheitspolitik und Gesundheitswirtschaft im Westen Deutschlands. Die elfte Auflage der jährlich ausgerichteten Veranstaltung findet am 7. und 8. März 2017 im Kölner Kongresszentrum Gürzenich statt.

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