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Morbi-RSA: Beim Geld hört die Freundschaft auf

Insider waren keineswegs überrascht, als der Vorstandsvorsitzende der Techniker Krankenkasse kürzlich im Interview beklagte, dass der morbiditätsorientierte Risikostrukturausgleich der Gesetzlichen Krankenversicherung zum Missbrauch einlade. Bereits acht Jahre zuvor, im Jahr 2008, hatte das Bundesversicherungsamt erstmals Krankenkassen in Sachen „Morbi-RSA“ gerügt. „Krankenkassen, die Ärzte – zum Teil sogar mit Geldprämien – veranlassen, ihre Diagnosen nachträglich zu verändern, um mehr Geld aus dem Gesundheitsfonds zu bekommen, verhalten sich rechtswidrig“, so damals der Präsident des Bundesversicherungsamtes, Josef Hecken, heute Unparteiischer Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses.
 
Die profitable, im Branchenjargon als „Upcoding“ bekannte Methode, Kranke auf dem Papier kränker zu machen, war seinerzeit auch Thema eines Zeitungsinterviews mit dem damaligen Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Im Jahr 2015 stieß eine Studie gar auf Daten, die von Experten als Hinweis darauf angesehen wurden, dass Upcoding nicht nur in Einzelfällen vorkommt: Demnach war in den Abrechnungsdaten der GKV die Zahl der Diabetes-Diagnosen, für die Kassen finanzielle Zuweisungen beim Morbi-RSA erhalten, pro Jahr um 8 Prozent gestiegen, während nach epidemiologischen Erkenntnissen nur 2 Prozent zu erwarten gewesen wären.
 
An Vorschlägen zu einer Reform des Risikostrukturausgleichs mangelt es nicht, doch die unterscheiden sich stark: Die Krankenkassen haben – je nach Versichertenstruktur – höchst unterschiedliche Interessen. AOKn und IKKn stehen sich unversöhnlich gegenüber und das Lager der Ersatzkassen ist zutiefst gespalten, vor allem Techniker Krankenkasse und DAK streiten öffentlich via Pressemitteilungen miteinander. Ein gemeinsames Forderungspapier der Ersatzkassen zur Reform des Risikostrukturausgleichs kam laut Presseberichten nur zustande, indem die Kassen sich gleichzeitig untereinander über die Verteilung von 500 Millionen Euro einigten, die ihnen bei Durchsetzung der Forderungen zusätzlich zufließen würden.
 
Der brisante Streit wird im März auf dem Gesundheitskongress des Westens ein hochrangig besetztes Podium beschäftigen. Unter dem Titel „Weiterentwicklung des Risikostrukturausgleichs: Wird diese Zuweisungssystematik Ihren Zielen gerecht?“ diskutieren: Prof. Dr. Jürgen Wasem, Lehrstuhl für Medizinmanagement der Universität Duisburg-Essen und Mitglied im Wissenschaftlicher Beirat zur Weiterentwicklung des Risikostrukturausgleichs beim Bundesversicherungsamt, Tom Ackermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Nordwest, Bettina am Orde, Erste Direktorin Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See, Reinhard Brücker, Vorstandsvorsitzender der VIACTIV Krankenkasse, Frank Brüggemann, Vorstandsvorsitzender der Novitas BKK, und Prof. Dr. Volker Möws, Geschäftsführer Politik der Techniker Krankenkasse.
 
Zum Gesundheitskongress des Westens werden auch in diesem Jahr wieder 900 Besucher erwartet – Klinikmanager, Ärzte, Verantwortliche aus Gesundheitspolitik und –unternehmen, aus Forschung und Wissenschaft sowie der Pflege. Die elfte Auflage der jährlich ausgerichteten Veranstaltung findet am 7. und 8. März 2017 im Kölner Kongresszentrum Gürzenich statt.

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Mit freundlichen Grüßen

Ihre Ingrid Völker

Dr. Ingrid Völker
Geschäftsführende Gesellschafterin
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