Pressemitteilung

Auslöser für Ärztemangel: Kassenärzte aus NRW kritisieren demotivierendes Honorarsystem

Köln, 25.03.2015 - Vor dem Hintergrund eines immer problematischeren Ärztemangels insbesondere bei niedergelassenen Allgemeinmedizinern hat die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe auf eine finanzielle Benachteiligung von Niedergelassenen hingewiesen und das gegenwärtige Vergütungssystem als demotivierend kritisiert. Bei einem großen Teil der niedergelassenen Ärzte gebe es "das Gefühl, dass ihnen ein gerechtes und angemessenes Honorar vorenthalten wird", erklärte Gerhard Nordmann vom Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe heute auf dem Gesundheitskongress des Westens in Köln.

Während der im Februar für Ärzte an kommunalen Krankenhäusern erzielte Tarifabschluss 4,1 Prozent mehr Gehalt und für Bereitschaftsdienste sogar um durchschnittlich 7,1 Prozent höhere Entgelte vorsehe, hätten viele Praxisinhaber seit Jahren ein sinkendes Realeinkommen hinzunehmen, so Nordmann. Grund für die Benachteiligung seien die fortbestehende Budgetierung großer Teile des Honorars sowie die zu geringen Honoraranpassungen, die nicht einmal den Kostenanstieg in den Praxen auffingen. Kennzeichnend für das System intransparenter Mengensteuerung sei vor allem das so genannte, für jeden Arzt quartalsweise festgelegte Regelleistungsvolumen, nach dessen Überschreitung die Kassen nur noch "einen kleinen Teil der erbrachten Leistung" bezahlten. "Die nachträgliche Quotierung bereits erbrachter, medizinisch notwendiger und vom Patienten induzierter Leistungen", so Nordmann, "ist alles andere als motivierend."

Nordmann wies darauf hin, dass im Bereich der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe die tatsächlich erbrachten ärztlichen Leistungen die zuvor festgelegte Gesamtvergütung beständig um etwa 10 Prozent überstiegen - was ähnlich auch für andere Gegenden Deutschlands gelte. Die gesetzlichen Krankenkassen müssten deshalb, so forderte Nordmann, endlich "die Morbidität ihrer Versicherten voll bezahlen."

Da die Transparenz dem Vergütungssystem schon seit Jahrzehnten mehr und mehr abhanden gekommen sei, verwundere es nicht, wenn Medizinstudenten bei Umfragen immer wieder äußerten, dass sie gerne ambulante Versorgung machen möchten- "aber doch lieber als angestellter Arzt."

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