Bis 2030 brauchen wir bundesweit 165.000 Ärztinnen und Ärzte und 790.000 Fachkräfte im nicht ärztlichen Bereich zusätzlich


Gesundheitskongress des Westens 2012 am 14. Und 15. März in Köln

Köln (Mi., 14.3.2012) –  „Die Gesundheit ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor nicht nur in NRW. Jeder achte Beschäftigte in Nordrhein-Westfalen arbeitet in der Gesundheitsbranche. Die Umsätze der Branche steigen jährlich um 2%“, sagte Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsminister Harry K. Voigtsberger anlässlich seiner Eröffnungsrede zum Gesundheitskongress des Westens, der am Mittwochmorgen in Köln begonnen hat. Der Impuls zur anschließenden Podiumsdiskussion kam vom ehemaligen Wirtschaftsweisen Prof. Bert Rürup. Er beeindruckte mit neuen Zahlen einer aktuellen Studie, die Price Waterhouse Coopers gemeinsam mit dem WIFOR Institut erstellt hat. Diese projiziert die heutigen Behandlungsformen auf den sich als Folge des demografischen Wandels ändernden Bedarfs an medizinischen Leistungen und versucht so den zukünftigen Personalbedarf im deutschen Gesundheitssystem zu ermitteln. Rürup stellte fest: „Akzeptiert man die methodischen Annahmen, dann benötigen wir gemäß der Studie bis 2030 bundesweit 165.000 Ärztinnen und Ärzte und 790.000 Fachkräfte im nicht ärztlichen Bereich zusätzlich.“ Außerdem wies er darauf hin, dass das System der kassenindividuellen Zusatzbeiträge und Rückerstattungsprämien, das man über den Gesundheitsfonds erreichen wollte, nach Lage der Dinge gescheitert sei. Seine Mahnung, die quantitative und qualitative Personalausstattung werde zu einem zentralen Wachstumshemmnis für die Gesundheitswirtschaft, wenn nicht in Aus- und Fortbildung investiert wird und attraktivere Arbeitsbedingungen geschaffen werden, nahm der neue wissenschaftliche Leiter des Kongresses, Prof. Dr. Wolfgang Greiner, auf und diskutierte das diesjährige Leitmotto „Kampf um kluge Köpfe. Arbeiten im Zukunftssektor Gesundheit“ mit Prof. Marion Haubitz, Mitglied im Sachverständigenrat des BMG zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, und Dr. Andreas Tecklenburg, Vizepräsident und Vorstand Medizinische Hochschule Hannover, sowie Hans-Leo Fetz, Geschäftsführer BKV Personalvermittlung für Ärzte, Niederlande. Dieser warf interessante Aspekte aus dem Nachbarland ein: „In den Niederlanden verläuft die Ausbildung der Mediziner wesentlich strukturierter“, erklärte Fez. „Heute werden aus motivierten Assistenzärzten nach einiger Zeit frustrierte“, betonte Prof. Marion Haubitz in der Podiumsdiskussion während der Eröffnungsveranstaltung und wies auf die Zunahme an Frauen in den medizinischen Berufen hin. „Wenn sie kluge Frauen in den Gesundheitsunternehmen behalten wollen, dann darf das nicht das Aus für die private Karriere bedeuten“, sagte sie und forderte clevere Arbeitszeitmodelle und Mentorinnen für Wiedereinsteigerinnen. Zudem solle es wie in den USA auch noch mit 45 möglich sein, Chefärztin oder Professorin zu werden. Dr. Andreas Tecklenburg spitzte die Situation für die Krankenhäuser zu: „Es kommt nicht darauf an, wer der beste ist, sondern, wer als letzter Pleite geht.“ Außerdem schränke der zu hohe bürokratische Arbeitsaufwand den wichtigen Kontakt zu den Patienten ein.

Das zweitägige Branchentreffen hat sich in den sechs Jahren seines Bestehens als Leitkongress der Gesundheitswirtschaft im wichtigen Bundesland Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus etabliert.

Weit mehr als 800 hochrangige Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Verbänden und aus der Medizin treffen sich an diesen zwei Tagen im Kölner Maritim Hotel. Die Ministerpräsidenten wie die Minister für Gesundheit und auch die Minister für Innovation und Forschung der Landesregierungen von NRW haben mit ihren regelmäßigen Auftritten auf dem Kongress die hohe Bedeutung des Gesundheitssektors für die Region betont.

Das diesjährige Leitthema des Gesundheitskongress des Westens „Kampf um kluge Köpfe. Arbeiten im Zukunftssektor Gesundheit“ hat für die Gesundheitswirtschaft allergrößte Bedeutung. Deshalb diskutieren Entscheider und Experten in diesem Jahr Wege aus dem Personalmangel. Es geht um Personalgewinnung und –bindung, sowie auch um effektiven Personaleinsatz in Verbindung mit moderner Medizintechnik. „Nur die Unternehmen, die den Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter gewinnen, werden im Gesundheitsmarkt bestehen“, betont Kongresspräsident Ulf Fink.

Spannend wird es morgen gleich zu Beginn des zweiten Tages. Dann stellt die Gesundheitsministerin des Landes NRW, Barbara Steffens, Ziele und aktuelle Vorhaben der Landesregierung vor. Ihr ist wichtig, dass die Weiterentwicklung der Gesundheitswirtschaft seit Anfang des Jahres auch durch das neue Landeszentrum „Gesundheit Nordrhein-Westfalen“ unterstützt wird, das partnerschaftlichen mit den sechs Gesundheitsregionen zusammenarbeitet. Im Abschlussplenum verrät Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr neueste Entwicklungen der Gesundheitspolitik des Bundes. Im Fokus stehen ebenso die Umsetzung des Versorgungsgesetzes, die Finanzierung des Gesundheitsfonds und die Verwendung der Überschüsse, die Verteilung der ambulanten Vergütung unter der Ärzteschaft und drängende Lösungen in der Pflege und Prävention. Zwischen diesen politischen Highlights finden zahlreiche Veranstaltungen statt. Die Themenpalette reicht von Kooperationsmodellen für Krankenhäuser und der Qualität telemedizinischer Versorgungsstrukturen bis hin zu erfolgreichen Praxisbeispielen aus dem Personalmanagement sowie Prävention und Vernetzung in der Reha.

Der Gesundheitskongress des Westens bietet rund zwei Dutzend Veranstaltungen mit rund 100 Referaten und Diskussionsbeiträgen namhafter Experten zur Gesundheitspolitik und Gesundheitswirtschaft.