Gesundheitskongress des Westens 2010 eröffnet


Minister Pinkwart eröffnet Gesundheitskongress des Westens 2010 und betont Bedeutung des Gesundheitssektors für NRW – „Landesregierung geht Ärztemangel an“ - Staatssekretär Bahr fordert mehr Wettbewerb im Gesundheitswesen und bekräftigt Pläne zur schrittweisen Einführung der Gesundheitsprämie, aber auch zur Ausgabenbegrenzung: Gesundheitsministerium diskutiere „Bewährungsphase für neue Medikamente“ und Preisverhandlungen zwischen Kassen und Herstellern.

Essen ( 10. März 2010 ) – Der Wissenschaftsminister und stellvertretende Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Prof. Dr. Andreas Pinkwart, hat zur Eröffnung des Gesundheitskongresses des Westens am Mittwoch in Essen den großen Stellenwert des Gesundheitssektors für das Land betont. Mit zahlreichen bedeutenden Neueinrichtungen der Medizinforschung etwa sei NRW endgültig auch international in der ersten Liga gelandet. Ein gutes Jahr für die im Gesundheitswesen Beschäftigten des Landes. Schon in diesem Herbst werde auch die neue Hochschule für Gesundheit in Bochum auf dem neuen Gesundheitscampus NRW ihren Betrieb aufnehmen. Angesichts des drohenden Ärztemangels betonte Pinkwart die Bemühungen der Landesregierung, die Versorgung auch in der Fläche sicherzustellen. Das Thema Studienplätze und mögliche Veränderung der Zugangsbeschränkungen zum Medizinstudium werde man auch mit den anderen Ländern diskutieren.

Wachsende Gesundheitsausgaben dürften nicht nur negativ gesehen werden, sondern seien Ausdruck eines Wachstumssektors in einer älter werdenden Gesellschaft. Diese Auffassung vertraten prominente Gesundheitsexperten bei der anschließenden Podiumsdiskussion. „Kein Mensch würde zum Beispiel der Tourismuswirtschaft zu hohe Ausgaben vorwerfen“, sagt der frühere „Wirtschaftsweise“ und gesundheitspolitische Berater Bert Rürup. Neue Präferenzen, denen der Sektor gerecht werden müsse, kosteten auch mehr. Um diese Entwicklung finanzieren zu können, wolle die FDP die Gesundheitsprämie einführen, sagte Daniel Bahr, parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesgesundheitsminister. Man dürfe die Arbeitskosten nicht weiter belasten und aus der Spirale höherer Beiträge, Arbeitsplatzabbau und neuer Kassen-Defizite herauskommen. Da die Haushaltslage nach Wirtschafts- und Finanzkrise eine sofortige Umstellung auf Prämie mit Steuerausgleich nicht erlaube, versuche man eine schrittweise Einführung. Zur Ausgabenfrage sagt Bahr, dass man weiterhin innovative Arzneimitteln den Markt offen halten müsse, aber man diskutiere ein Modell, in dem die Hersteller eine Art Bewährungsphase durchlaufen und zunächst tatsächlichen Zusatznutzen ihres Produkts nachweisen müssen, bevor es endgültig erstattungspflichtig wird. Zur kurzfristigen Kostendämpfung diskutiere die Berliner Koalition zudem einen höheren Kassenrabatt auf Medikamente.

Die Diskussion moderierte Prof. Dr. J.-Matthias Graf von der Schulenburg, Ökonom an der Universität Hannover und wissenschaftlicher Leiter des Kongresses. Der Gesundheitskongress des Westens findet seit 2007 jährlich statt. Mehr als 700 Vertreter der Gesundheitswirtschaft, der Gesundheitspolitik und der Verbände, Wissenschaftler und Akteure der ambulanten und der stationären Gesundheitsversorgung nehmen Teil. „Die Teilnehmerzahl ist erfreulicherweise weiter gestiegen im Vergleich zum Vorjahr“, sagte Kongresspräsident Ulf Fink, Senator a.D.. Das bestätige den Status als Leitkongress der Gesundheitswirtschaft in NRW und darüber hinaus.