Genug Ärzte und Geld im System, aber beides ungleich verteilt ?


Gesundheitsminister Laumann und KVen: Derzeit noch genug Niedergelassene in NRW, aber Maßnahmen geplant, um kommenden Mangel vorzubeugen - Stipendium für Mediziner, die ihre Facharztausbildung in unterversorgten Gebieten machen; Präsident der Krankenhausgesellschaft spricht dagegen von "massivem Nachwuchsproblem", der schon jetzt zu Abteilungsschließungen in Kliniken führe. Laumann wettert gegen ungleiche Honorarverteilung und sieht NRW benachteiligt

Essen ( 12. März 2009 ) - Gibt es einen Ärztemangel oder nicht? Sehr unterschiedliche Antworten auf diese Frage gab es zu Beginn des zweiten Tags des Gesundheitskongresses des Westens 2009 in Essen. Der Kongress, auf dem seit Mittwoch mehr als 700 Teilnehmer über drängende Fragen der Gesundheitspolitik und -Wirtschaft diskutieren, steht unter dem Motto "Der knappe Faktor Mensch". Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann sagte am Donnerstagmorgen, es gebe zwar derzeit noch genug Ärzte im Land. Aber sein Ministerium wolle gemeinsam mit anderen Ressorts, mit den Kassenärztlichen Vereinigungen, den Kammern und den Kassen ein Maßnahmebündel zusammenstellen, um vor allem die Versorgung in ländlichen Regionen auch in den kommenden Jahren sicher zu stellen. Er plädiere etwa dafür, Ärzten in der Facharztausbildung Stipendien zu zahlen, wenn sie für einige Zeit in unterversorgte Gebiete gingen. Auch müssten die Ärzteorganisationen die Arbeitsplätze familienfreundlicher gestalten, damit sich mehr Ärztinnen in diesen Gebiete niederlassen - die Mehrheit der angehenden Ärzte sind Frauen. "Das geänderte Vertragsarztrecht bietet dafür eigentlich viele Möglichkeiten", sagte Dr. Leonhard Hansen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein in der Essener Philharmonie .

Von "massivsten Nachwuchsproblemen" schon heute sprach dagegen der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Dr. Rudolf Kösters. Er wisse von Krankenhäusern, die ganze Abteilungen hätten schließen müssen, weil sie nicht genug Ärzte für die Stellen gefunden hätten.

Ganz offenbar gibt es vor allem große Probleme in der räumlichen Verteilung der Mediziner: In den Universitätsstädten bewerben sich deutlich mehr Ärzte an den Kliniken, als Stellen vorhanden sind. Raus aufs Land wollen offenbar Wenige. Ähnlich wie bei den Niedergelassenen.

Extrem benachteiligt sieht Laumann die Ärzte in Nordrhein-Westfalen durch die neue Honorarreform im Vergleich zu allen anderen Bundesländern. "Hebt alles wieder auf und fangt noch mal von vorne an", wetterte er in Richtung Berlin und auch gegen den Duisburger Gesundheitsökonomen Jürgen Wasem, der im Honorarstreit zwischen Kassen und Kassenärztlicher Bundesvereinigung vermittelt hatte. Er kritisierte die Zentralisierung der Gesundheitspolitik, unter der sein Bundesland leide.

Darauf antworten kann heute um 15 Uhr Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt, mit deren Rede der Kongress endet. Der Gesundheitskongress des Westens hat sich als Leitkongress der Gesundheitswirtschaft in NRW und darüber hinaus etabliert.