Pressemitteilung
Der Gesundheitskongress des Westens ist gestartet
Gesundheitskongress des Westens am 06. und 07. Mai 2026 in Köln
Köln, 6. Mai 2026. Am heutigen Mittwoch ist in Köln der Gesundheitskongress des Westens eröffnet worden, der in diesem Jahr unter dem Motto „Produktivität freisetzen, Ambitionen leben“ stattfindet. Bei der Auftaktveranstaltung stimmte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit, Dr. Georg Kippels, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf eine intensive Reformdebatte ein. Das Gesundheitswesen stehe vor großen finanziellen und strukturellen Herausforderungen, sagte Kippels. Gerade deshalb brauche es nun „Entschlossenheit, Klarheit, Überzeugungen“, um die wichtigen Weichen für die Zukunft zu stellen.
Kippels machte deutlich, dass die Bundesregierung jetzt handeln wolle, damit sich auch kommende Generationen auf „soziale Sicherheit im Krankheitsfall und eine hohe Behandlungsqualität“ verlassen könnten. Dafür müssten alle Akteure „ihren Teil und Verantwortung übernehmen“. Im Mittelpunkt stehe dabei zunächst die Stabilisierung der GKV-Finanzen. „Ohne entschlossenes Handeln steuern wir auf ein historisches Finanzdefizit von 40 Milliarden Euro in 2030 zu“, sagte Kippels.
Zugleich betonte der BMG-Staatssekretär, dass es nicht allein um Finanzen gehe. Das Gesundheitswesen müsse seine Strukturen an neue Herausforderungen anpassen, vorhandene Kapazitäten besser nutzen und mit flexiblen, modernen Versorgungsformen sowie digitalen Lösungen die Versorgung sichern. Das hohe Leistungsniveau und die hohe Behandlungsqualität sollten dabei erhalten bleiben. „Das ist unser Anspruch“, unterstrich Kippels.
Steingart: „Fear sells“
Der Publizist, frühere Handelsblatt-Herausgeber und Gründer von The Pioneer, Gabor Steingart, machte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern in seiner Eröffnungsrede Mut, den Wert des Gesundheitswesens selbstbewusst zu vertreten. Eine Reformdebatte dürfe sich nicht allein auf Kostendämpfung verengen. Sie müsse im Sinne des Kongressmottos über den Tag hinausdenken, Produktivität freisetzen und Ambitionen ermöglichen.
Steingart warb dafür, stärker über Wachstum, Wohlstand und medizinischen Fortschritt zu sprechen. In der Wirtschaft gehe es nicht dauernd darum, etwas zu dämpfen, sondern darum, Kräfte zu entfesseln. Auch im Gesundheitswesen brauche es diese Perspektive In einer älter werdenden Gesellschaft bekommen Risiken mehr Raum als Chance: „Fear sells“. „Es gibt aber keinen Grund für Fatalismus“, machte er deutlich. Deutschland habe tolle Voraussetzungen und Ressourcen, um die Herausforderungen zu bewältigen.
„Wir können das System verändern“
In der anschließenden Diskussion machte Günther Wältermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Rheinland/Hamburg, deutlich, dass Produktivität im Gesundheitswesen mehr bedeute als reine Kostensenkung. Es gehe nicht um Rationalisierung, sondern darum, mit dem vorhandenen Geld mehr Gesundheit zu organisieren. Gesunde Lebensjahre, besser koordinierte Abläufe und kürzere Verweildauern im Medizinbetrieb könnten zu einem produktiveren Gesundheitswesen beitragen. Zugleich betonte Wältermann: „Gerechtigkeit ist kein Kostenfaktor.“ Ein ungerechter Zugang zur Medizin verursache Folgekosten, etwa wenn Menschen ohne zeitnahen Termin schließlich im Krankenhaus landeten.
Wältermann zeigte sich optimistisch, dass das System seine Potenziale heben kann. Das Gesundheitswesen sei zwar tradiert, aber veränderbar. Es brauche eine mutige Politik, die eingefahrene Strukturen hinterfrage und die vorhandenen Möglichkeiten besser nutze. „Wir haben dieses System geschaffen. Wir können es verändern“, sagte er.
Für den ambulanten Bereich machte Dr. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, deutlich, dass die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte Veränderungen nicht blockieren, sondern sogar einfordern. Bergmann verwies zugleich auf die hohe Leistungsfähigkeit der vertragsärztlichen Praxen. Es gebe kaum einen Bereich, der so effizient arbeiten könne. Auch bei der Digitalisierung sei der ambulante Bereich weiter als viele andere im Gesundheitswesen. Eine starke ambulante Versorgung sei ein zentraler Hebel, um Produktivität zu steigern und Versorgung patientennäher zu gestalten.
„Ökonomie ist nichts Schändliches“
Prof. Nils Goldschmidt, Direktor des Weltethos-Instituts an der Universität Tübingen, rief dazu auf, ökonomische Fragen offen zu diskutieren. „Ökonomie ist nichts Schändliches“, sagte Goldschmidt. Auch wies er darauf hin, dass in der Debatte um gesundheitspolitische Reformen viel über Begrenzung und Steuerung gesprochen werde, aber zu wenig über Entfesselung. Goldschmidt warb für einen positiven Reformgeist. Begriffe wie Gerechtigkeit, Innovation, Vertrauen, Kreativität und Wettbewerb müssten wieder stärker Teil dieser Debatte werden. Deutschland könne im Gesundheitswesen Vorreiter sein, wenn Reformen nicht nur als Zumutung, sondern als Gestaltungsaufgabe verstanden würden. Dafür brauche es Vertrauen in die Akteure und die Bereitschaft, Freiräume zu eröffnen.
NRW-Staatssekretär Heidmeier: „Gebot der Vernunft“
Bereits beim Vorabendempfang hatte NRW-Staatssekretär Matthias Heidmeier aus dem nordrhein-westfälischen Arbeits- und Gesundheitsministerium den politischen Rahmen gesetzt. Er machte deutlich, dass es in den kommenden Monaten um ein Gesundheitswesen geht, das auch unter Druck handlungsfähig bleibt. Krankenhäuser, niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, Pflege, Staat und weitere Partner müssten enger zusammenarbeiten, wenn sie Versorgung sichern und Reformen umsetzen wollten.
Heidmeier bezeichnete das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz als Schritt in die „richtige Richtung“. Beiträge zu stabilisieren, sei angesichts der wirtschaftlichen Lage ein „Gebot der Vernunft“. Deutschland brauche dringend wieder wirtschaftliche Prosperität, sagte Heidmeier. Zugleich kündigte er an, Nordrhein-Westfalen wolle im parlamentarischen Prozess nachsteuern, unter anderem bei den Gesundheitskosten für Bürgergeldempfänger und bei den Belastungen für Krankenhäuser.
Der Auftakt des Gesundheitskongresses des Westens machte damit deutlich: Die kommenden Monate werden entscheidend für das Gesundheitswesen. Es geht um stabile Finanzen, bessere Strukturen, digitale Lösungen, mehr Zusammenarbeit und den Mut, vorhandene Stärken neu zu nutzen. Unter dem Motto „Produktivität freisetzen, Ambitionen leben“ bietet der Kongress in Köln zwei Tage lang Raum für diese Debatte – mit Akteurinnen und Akteuren aus Politik, Versorgung, Wissenschaft, Wirtschaft und Selbstverwaltung.
Bildmaterial zum Kongress: Flickr
Pressekontakt: presse@wiso-consulting.de
Der Gesundheitskongress des Westens ist der führende Kongress für Gesundheitspolitik und Gesundheitswirtschaft im Westen Deutschlands.