Pressemitteilung


Die Zukunft der Gesundheit war zwei Tage Thema in Köln

Köln, 14.03.2018 - In Köln ist heute Nachmittag der Gesundheitskongress des Westens zu Ende gegangen. Zwei Tage lang hatten rund 1.000 Teilnehmer aus allen Bereichen des deutschen Gesundheitswesens gesundheitspolitische Fragestellungen diskutiert – unter dem Motto: „Das Gesundheitswesen muss zusammenwachsen!“

Vor allem ging es dabei um die Probleme der Zusammenarbeit zwischen den Sektoren des Gesundheitswesens, die – darüber gab es einen breiten Konsens unter den Referenten des Kongresses - nicht immer reibungslos funktioniert und oft zu nicht optimaler Versorgung der Patienten führt. Thematisiert wurden aber unter anderem auch Probleme zwischen Bund und Ländern in der Krankenhausplanung und –finanzierung, der Streit unter den Krankenkassen um die finanziellen Zuweisungen aus dem morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich und nicht zuletzt die Friktionen zwischen verschiedenen Stakeholdergruppen im Gesundheitswesen, die seit Jahren zu einer nur schleppenden Digitalisierung beigetragen haben.

Der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hatte in seiner Eröffnungsrede eine bessere Vernetzung des ambulanten und des stationären Sektors in Aussicht gestellt: „Eine wichtige Schnittstelle ist hier die Notfallversorgung. Kassenärztliche Vereinigungen und Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen sollen diese künftig gemeinsam organisieren – mit einer Tür und einer Anmeldung im Krankenhaus. So kann schnell entschieden werden, ob eine ambulante oder stationäre Behandlung erforderlich ist.“ Laumann bekräftigte darüber hinaus das Vorhaben, in NRW eine Landarztquote einzuführen. So seinen in Westfalen derzeit 60 Prozent der niedergelassenen Allgemeinmediziner über 60 Jahre alt - und gehen nun innerhalb kurzer Zeit in Rente. Darauf wolle die Politik jetzt reagieren.

Der Gesundheitsökonom Prof. Dr. Johann-Matthias Graf von der Schulenburg von der Universität Hannover warnte vor steigenden Kosten des Gesundheitswesens. Wenn keine politischen Gegenmaßnahmen ergriffen würden, sei mit jährlichen Ausgabensteigerungen von durchschnittlich 9,7 Prozent pro Jahr zu rechnen. „Die Gesundheitsausgaben explodieren, wenn wir  nicht gegensteuern“, so von der Schulenburg. Gegenwärtig und in nächster Zukunft kämen beispielsweise 50 neue onkologische Präparate auf den Markt, die zum Teil mit Jahrestherapiekosten von 100.000 pro Jahr und mehr zu Buche schlügen. Der Wissenschaftler bezeichnete überdies die Abschaffung der Praxispauschale als „Riesenfehler“. Sie habe seinerzeit die Inanspruchnahme von Niedergelassenen Ärzten um 10 bis 12 Prozent gesenkt. Das sei bis zu ihrer Abschaffung auch so geblieben. Von der Schulenburg plädiert für eine generelle proportionale Selbstbeteiligung der Patienten von 10 Prozent auf alle Gesundheitsausgaben, ausgenommen davon sollten durch eine Sozialklausel nur finanziell Bedürftige sein.

Als potenziellen Kostentreiber benannte Christian Egle, Leiter Gesundheitswesen der Ernst & Young GmbH, auch Adipositas. Er präsentierte Modellrechnungen, nach denen Adipositas im Jahr 2025 weltweit zu Kosten von 1 Billion US-Dollar führen wird.

Thomas Bublitz, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Privatkliniken, forderte eine breitere gesellschaftliche Debatte zur Frage, was das Gesundheitswesen eigentlich finanzieren solle. Er fragte: „Finden wir eine gesellschaftliche Balance zwischen den Nutzern des Gesundheitswesens und denen, die das Geld bereitstellen müssen?“

Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, Dr. Frank Bergmann, kritisierte, es gebe heute in Deutschland eine „mindestens verdeckte Rationierung im Gesundheitswesen.“ Vertreter der Ärzteschaft hätten seit vielen Jahren bereits immer wieder eine Debatte über Priorisierung gefordert, bei der in einem breiten gesellschaftlichen Diskurs festgelegt wird, in welcher Reihenfolge knappe Mittel auf medizinisch mögliche Leistungen verteilt werden.

Prof. Dr. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer, plädierte für strengere Qualitätskriterien, um eine gute Qualität in der Krankenhausbehandlung sicherzustellen. Dazu gehörten auch Mindestfallzahlen. Beispielsweise sei in 26 Prozent der Kliniken, die in Deutschland Herzinfarkte behandeln, kein Linksherzkatheterplatz vorhanden, obwohl dieser nach dem Stand medizinischen Wissens vielfach lebensrettend sei.

Andreas Schlüter, Hauptgeschäftsführer der Knappschaft Kliniken GmbH, problematisierte die künftig vorgeschriebenen Personaluntergrenzen in der Pflege: Seriös hochgerechnet bedeute das für die Knappschaftskliniken 30 Prozent mehr Pflegepersonal, etwa 10.000 Mitarbeiter. Es stelle sich die Frage, ob das alle Krankenhäuser finanziell leisten können.

Adam Wolf, Geschäftsführer der Organisation der Dänischen Regionen, erläuterte auf dem Kongress, wie Dänemark zum führenden EU-Land in Bezug auf die Digitalisierung des Gesundheitswesen werden konnte. In Dänemark ist die elektronische Patientenakte heute Realität. Über eine digitale Infrastruktur werden monatlich 5,5 Millionen Mal Informationen zu Patienten zwischen Leistungserbringern ausgetauscht – etwa diagnostische Berichte. Um das zu erreichen, habe man habe in Dänemark bereits vor 20 Jahren damit begonnen, gemeinsame technische Standards für die digitale Kommunikation im Gesundheitswesen zu etablieren. An solchen Standards mangelt es in Deutschland bis heute.

Das Themenspektrum des Kongresses war wie in jedem Jahr breit angelegt: Auch Fachkräftemangel bei Ärzten und Pflegepersonal, die Notfallversorgung, die Zusammenarbeit zwischen Akutkrankenhäusern und Rehabilitation sowie das Thema Prävention standen beispielsweise ebenfalls auf der Agenda.

Der Gesundheitskongress des Westens ist der führende Kongress für Gesundheitspolitik und Gesundheitswirtschaft im Westen Deutschlands. Er richtet sich an Klinikmanager, Ärzte, Verantwortliche aus Gesundheitspolitik und -unternehmen, aus Forschung und Wissenschaft sowie die Pflege. Der nächste Gesundheitskongress des Westens findet am 26. und 27. März 2019 im Kölner Kongresszentrum Gürzenich statt.

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